Steißbeinfistel beim Kind (Sinus pilonidalis)

Eine Steißbeinfistel heilt nicht von selbst zu, sie ist aber gut behandelbar. Welches Verfahren sinnvoll ist, hängt vom Befund ab. Wir besprechen die Möglichkeiten in Ruhe und operieren, wenn es passt, ambulant.

Eine Steißbeinfistel ist unangenehm, vielen Jugendlichen ist sie peinlich, und oft zieht sie sich über Monate hin. Deshalb vorweg: Das Problem lässt sich lösen. Es kommt darauf an, dass die Behandlung zum Befund passt und dass die Nachsorge stimmt, denn davon hängt ab, ob die Fistel wiederkommt.

Was ist eine Steißbeinfistel?

Die Steißbeinfistel (Sinus pilonidalis) ist keine angeborene Fehlbildung. Sie entsteht erst im Lauf des Lebens, meist ab der Pubertät. Abgebrochene Haare sammeln sich in der Gesäßfalte und bohren sich mit der Spitze voran in die Haut. Der Körper reagiert darauf wie auf einen Fremdkörper: Es bildet sich ein kleiner Gang unter der Haut, oft mit einem Hohlraum und mehreren Nebengängen.

Man kann sich das wie einen Splitter vorstellen, der nicht entfernt wird. Solange Haare und Haarreste im Gang liegen, bleibt die Entzündung bestehen. Deshalb schließt sich eine Steißbeinfistel nicht von selbst. Sie wechselt eher zwischen ruhigen Phasen und Phasen mit Nässen, Schmerzen oder einer Abszessbildung.

Wer ist betroffen?

Betroffen sind vor allem Jugendliche und junge Erwachsene. Die meisten Kinder, die wir deswegen sehen, sind zwischen 14 und 17 Jahre alt. Burschen sind ungefähr dreimal so häufig betroffen wie Mädchen. Vor der Pubertät kommt eine Steißbeinfistel praktisch nicht vor.

Als begünstigend gelten kräftige Körperbehaarung, Übergewicht und langes Sitzen. Eine ausgeprägte Behaarung erhöht auch das Risiko, dass die Fistel nach einer Operation wiederkommt. Dasselbe gilt für mehrere Öffnungen und für Gänge, die seitlich der Mittellinie oder näher am After liegen.

Woran erkenne ich eine Steißbeinfistel?

Typisch sind kleine Grübchen (Pits) in der Gesäßfalte, manchmal mit einem sichtbaren Haarbüschel. Dazu kommen Nässen, Blut- oder Eiterflecken in der Unterwäsche, ein unangenehmer Geruch und Druckschmerz beim Sitzen, Radfahren oder im Sportunterricht.

Viele Jugendliche sprechen das lange nicht an. Wenn Ihr Kind das Sitzen vermeidet oder Ihnen auffällige Flecken in der Wäsche auffallen, lohnt sich eine Untersuchung. Die Diagnose stellt man mit dem bloßen Auge, eine Bildgebung ist im Normalfall nicht nötig.

Wann sollten Sie rasch handeln?

Wenn starke Schmerzen, eine pralle Rötung und Schwellung über dem Steißbein oder Fieber auftreten, liegt meist ein Abszess vor. Ein Abszess gehört zeitnah entlastet, nicht abgewartet. Das ist ein kleiner Eingriff, bei dem der Eiter abfließen kann.

Die endgültige Behandlung der Fistel erfolgt danach in einem zweiten Schritt, wenn die akute Entzündung abgeklungen ist. Beides in einem Zug zu machen, ist nicht sinnvoll, weil im entzündeten Gewebe schlechter heilt und häufiger etwas zurückbleibt.

Muss immer operiert werden?

Nein. Wird eine Fistel zufällig entdeckt und macht sie keine Beschwerden, wird sie nicht operiert. Das ist auch die Empfehlung der aktuellen Leitlinien. Sinnvoll ist in diesem Fall, die Region haarfrei und trocken zu halten und abzuwarten.

Operiert wird, wenn die Fistel wiederholt nässt, schmerzt oder Abszesse macht. Bei diesen Kindern bringt Zuwarten nichts, weil die Haare im Gang bleiben und die Entzündung immer wieder aufflammt.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Es gibt kein Verfahren, das für alle Befunde das beste ist. Alle Methoden bewegen sich zwischen zwei Polen: Je mehr Gewebe entfernt wird, desto seltener kommt die Fistel wieder, aber desto größer sind Wunde, Schmerzen und Ausfallzeit. Je sparsamer der Eingriff, desto schneller die Erholung, dafür steigt das Rückfallrisiko etwas. Diesen Kompromiss besprechen wir offen.

Haarentfernung und Hygiene. Die Basis jeder Behandlung, unabhängig vom gewählten Eingriff. Bei sehr frühen Befunden reicht das manchmal schon aus.

Kleine, gewebeschonende Eingriffe. Dazu zählen das Ausschneiden nur der Grübchen (Pit picking) und die endoskopische Behandlung. Die Wunde bleibt klein, die Erholung kurz.

Klassische Ausschneidung (Exzision). Das gesamte Fistelsystem wird großflächig entfernt. Die Wunde heilt danach entweder offen über Wochen bis Monate oder wird verschlossen.

Plastische Verfahren. Bei ausgedehnten oder mehrfach voroperierten Befunden wird die Wunde mit einer Gewebeverschiebung aus der Mittellinie heraus verschlossen (Karydakis- oder Limberg-Technik). Aufwendiger, aber bei schwierigen Befunden die stabilste Lösung.

Ein Verschluss direkt in der Mittellinie gilt heute als überholt, weil die Naht dort schlecht heilt.

Die endoskopische Behandlung (pEPSiT)

Wir bieten unter den gewebeschonenden Verfahren die endoskopische Behandlung an, kurz pEPSiT. Dabei wird eine sehr dünne Optik über die bereits bestehende Öffnung in den Gang eingeführt. Unter ständiger Spülung sieht man den gesamten Hohlraum und alle Nebengänge von innen.

Dann werden unter Sicht jedes Haar und jedes Haarbruchstück mit einer feinen Fasszange entfernt, der Hohlraum wird mit einem Bürstchen gereinigt und die Innenwand mit einer dünnen Elektrode verödet. Die kleinen Öffnungen bleiben offen, damit Sekret abfließen kann. Es gibt keinen großen Schnitt und keine offene Wunde über dem Steißbein, die wochenlang tamponiert werden muss. Der Eingriff dauert etwa eine halbe bis dreiviertel Stunde und gehört zur minimalinvasiven Chirurgie.

Was dafür spricht: Die Schmerzen danach sind gering, Komplikationen sind selten, und die Kinder sind rasch wieder in Schule und Sport. Die Wunde heilt meist in drei bis vier Wochen zu. Bei etwa neun von zehn Jugendlichen ist der Befund damit saniert.

Was man ebenso wissen sollte: Dass die Fistel nach einer endoskopischen Behandlung seltener wiederkommt als nach einer großen Ausschneidung, lässt sich mit den vorliegenden Daten nicht behaupten. Kurzfristig liegt die Rückfallrate bei rund 5 bis 10 %, nach mehreren Jahren eher bei 15 %, und damit in derselben Größenordnung wie nach den klassischen Verfahren. Der belegte Vorteil liegt in der geringeren Belastung und der kürzeren Erholung, nicht in einer niedrigeren Rückfallrate. Kommt die Fistel wieder, kann man in der Regel erneut endoskopisch vorgehen.

Für ausgedehnte Befunde, ausgeprägte Vernarbungen nach Voroperationen oder Gänge weit außerhalb der Mittellinie ist die endoskopische Behandlung nicht das richtige Verfahren. Dann operieren wir mit einer anderen Methode, die zum Befund passt. Die Behandlung bleibt in jedem Fall bei uns.

Warum die Haarentfernung zur Behandlung gehört

Die Haare sind die Ursache, nicht die Folge. Deshalb ist die Haarentfernung kein Beiwerk, sondern der am besten belegte Teil der ganzen Behandlung. Bei Jugendlichen, die zusätzlich zur Operation dauerhaft epiliert werden, kommt die Fistel im ersten Jahr deutlich seltener wieder als bei Jugendlichen, die nur die üblichen Empfehlungen zu Rasur und Hygiene bekommen.

Umgekehrt gilt: In Behandlungsserien mit nachlässiger Haarentfernung liegt die Rückfallrate bei fast einem Drittel. Am wirksamsten ist die Laserepilation, dafür braucht es allerdings mehrere Sitzungen, im Schnitt etwa sieben. Wir planen die Haarentfernung von Anfang an mit ein und besprechen mit Ihnen, wie sie im Einzelfall umgesetzt wird.

Die Narkose

Der Eingriff erfolgt in Narkose, ergänzt durch eine örtliche Betäubung des Operationsgebietes. Die Narkose führt eine auf Kinder spezialisierte Anästhesistin oder ein spezialisierter Anästhesist durch. Ihr Kind ist danach rasch wieder wach und darf sofort nach dem Aufwachen essen und trinken.

Zur Nüchternzeit: Klare Flüssigkeiten wie Wasser, Tee oder verdünnter Saft sind bis eine Stunde vor der Operation erlaubt, Essen bis sechs Stunden vorher.

Ambulant im SOO.med Kinder-OP

Wir operieren ambulant im SOO.med Kinder-OP in 1170 Wien, alternativ in der Privatklinik Döbling. Beide Häuser haben Klinikqualität mit Zentralmonitoring und einem kindgerechten Aufwachbereich. Sie begleiten Ihr Kind in den Operationsraum und bleiben, bis es eingeschlafen ist, und Sie sind direkt nach dem Aufwachen wieder dabei. Meist geht es nach wenigen Stunden nach Hause.

Nach der Operation

Die kleinen Wunden bleiben offen und heilen von innen heraus zu. Wichtig ist das tägliche Duschen mit Ausspülen der Öffnungen, das können Jugendliche selbst übernehmen. Schmerzmittel geben wir zum Schlucken für zuhause mit, nach einem klaren Schema. Gebraucht werden sie meist nur an den ersten ein bis zwei Tagen.

Die vollständige Heilung dauert im Mittel drei bis vier Wochen. In die Schule geht es meist nach zwei bis vier Tagen zurück, in den Sport nach etwa einer bis drei Wochen. Wir halten uns mit Verboten zurück, weil sie meist nicht belegt sind: Sitzen, Radfahren zur Schule und normale Bewegung sind erlaubt, sobald es Ihrem Kind gut geht. Vollbad und Schwimmbad warten, bis die Öffnungen trocken sind. Die Wundkontrolle machen wir in den ersten Tagen und danach in Abständen, bis alles verschlossen ist.

Ein Punkt ist uns wichtig: Die konsequente Haarentfernung ist kein optionaler Zusatz. Sie entscheidet mit darüber, ob die Fistel wiederkommt.

Wie wir vorgehen

Im Erstgespräch sehen wir uns den Befund an und ordnen ihn ein: Wie viele Öffnungen gibt es, wie weit reichen die Gänge, gab es schon Abszesse oder Voroperationen. Daraus ergibt sich, welches Verfahren sinnvoll ist. Wenn die endoskopische Behandlung nicht passt, sagen wir das offen und operieren mit dem Verfahren, das zum Befund passt.

Für einen Termin erreichen Sie uns über die Terminvereinbarung.

Häufige Fragen zur Steißbeinfistel

Heilt eine Steißbeinfistel von selbst?

Nein. Solange Haare und Haarreste im Gang liegen, bleibt der Reiz bestehen und die Entzündung flammt immer wieder auf. Beschwerdefreie Phasen sind keine Heilung.

Muss jede Steißbeinfistel operiert werden?

Nein. Ein Zufallsbefund ohne Beschwerden wird nicht operiert. Operiert wird bei wiederholtem Nässen, Schmerzen oder Abszessen.

Welche Operationsverfahren gibt es?

Gewebeschonende Verfahren wie das Ausschneiden der Grübchen oder die endoskopische Behandlung, die klassische Ausschneidung des gesamten Fistelsystems und plastische Verfahren mit Gewebeverschiebung. Je sparsamer der Eingriff, desto kürzer die Erholung, dafür ist das Rückfallrisiko etwas höher.

Was ist pEPSiT?

Die endoskopische Behandlung der Steißbeinfistel bei Kindern und Jugendlichen. Über die vorhandene Öffnung wird eine dünne Optik eingeführt, alle Haare und das entzündete Gewebe werden unter Sicht entfernt und die Innenwand des Gangs wird verödet. Ein großer Schnitt ist nicht nötig.

Wie lange dauert die Heilung?

Nach einer endoskopischen Behandlung im Mittel drei bis vier Wochen. Nach einer klassischen Ausschneidung mit offener Wundheilung dauert es deutlich länger, oft mehrere Monate.

Wie hoch ist das Risiko, dass die Fistel wiederkommt?

Je nach Verfahren und Befund. Im ersten Jahr liegt es bei etwa 5 bis 10 %, über mehrere Jahre eher bei 15 %. Ein Rückfall lässt sich in der Regel erneut behandeln.

Warum ist die Haarentfernung so wichtig?

Weil die Haare die Ursache sind. Wird konsequent epiliert, kommt die Fistel deutlich seltener wieder. Bleibt die Haarentfernung aus, steigt die Rückfallrate auf fast ein Drittel.

Wann kann mein Kind wieder in die Schule und zum Sport?

Nach einer endoskopischen Behandlung meist nach zwei bis vier Tagen in die Schule und nach etwa einer bis drei Wochen in den Sport. Nach einer großen Ausschneidung dauert das deutlich länger.

Ist die Operation schmerzhaft?

Der Eingriff selbst erfolgt in Narkose. Nach den gewebeschonenden Verfahren sind die Schmerzen gering und Schmerzmittel werden meist nur ein bis zwei Tage gebraucht.

Was tun bei einem Abszess?

Ein Abszess mit starken Schmerzen, praller Schwellung oder Fieber gehört rasch entlastet. Die endgültige Behandlung der Fistel erfolgt danach, wenn die Entzündung abgeklungen ist.

Bleibt eine Narbe?

Nach einer endoskopischen Behandlung bleiben nur die kleinen, bereits vorhandenen Öffnungen, die zuheilen. Nach einer klassischen Ausschneidung ist die Narbe deutlich größer.

Erstellt und medizinisch geprüft von Priv.-Doz. DDr. Wilfried Krois, Facharzt für Kinder- und Jugendchirurgie. Letzte Aktualisierung: 25.07.2026.

Was bieten wir Ihnen und Ihrem Kind?

  • Die Operation wird in einem Operationsraum unter streng sterilen Bedingungen durchgeführt.
  • Die Narkose wird von einem auf Kinder spezialisierten Narkosearzt durchgeführt.
  • Der Eingriff kann ambulant durchgeführt werden – ihr Kind übernachtet Zuhause.
  • Sie begleiten Ihr Kind in den Operationsraum und bleiben bis es einschläft dabei.
  • Sie haben mit Ihrem Kind nur einen kurzen Aufenthalt und haben keine lange Warte- und Nüchternzeiten.
  • Bei uns erhalten Sie rasch und flexibel einen Termin für den Eingriff.
  • Sie erhalten eine durchgehende persönliche Betreuung durch uns – von der Operationsplanung bis zur Abschlusskontrolle.

Verstopfung bei Kindern

Yvonne Schroffenegger, Wilfried Krois
Ursachen und Therapien der chronischen Obstipation. Wie du dein Kind understützt – praktische Hilfe für Eltern
Thieme Trias Verlag, 2023, 152 S, 44 Abb. ISBN: 9783432117553
Ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Selbsthilfegruppe für Kinder mit chronischer Verstopfung und Stuhlinkontinenz knopf-im-bauch e.V.

Helping Hands

"Die Kinderchirurgen" betreiben ehrenamtlich den Verein "Helping Hands for Anorectal Malformations International" um mit Hilfe von Spendengeldern die Korrektur von seltenen Fehlbildungen des Anus weltweit zu unterstützen.

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