Beim gastroösophagealen Reflux fließt Mageninhalt zurück in die Speiseröhre. Bei den allermeisten Kindern ist das harmlos und verschwindet von selbst. Nur wenige brauchen mehr als Geduld und einfache Maßnahmen, und für die seltenen schweren Fälle gibt es heute schonende, minimalinvasive und robotisch-assistierte Operationen.
Fast alle Babys spucken. Wenn Ihr Kind nach dem Trinken Milch zurückgibt, unruhig ist oder sich verschluckt, ist die Sorge verständlich. Die gute Nachricht: In den meisten Fällen handelt es sich um einen normalen Reflux, der mit dem Wachsen von allein aufhört. Wir helfen Ihnen, harmlosen Reflux von einer echten Refluxkrankheit zu unterscheiden, und begleiten Sie ruhig und Schritt für Schritt.
Zwischen Speiseröhre und Magen liegt ein Muskelring, der wie ein Ventil den Mageninhalt unten halten soll. Bei Säuglingen ist dieses Ventil noch nicht ausgereift, die Speiseröhre ist kurz und die Trinkmengen sind im Verhältnis zum Körper sehr groß. Deshalb läuft öfter etwas nach oben zurück. Das nennt man Reflux.
Solange das Kind gut gedeiht und sich wohlfühlt, spricht man von einem normalen (physiologischen) Reflux, nicht von einer Krankheit. Wir nennen diese Kinder liebevoll auch „Happy Spitter“. Von einer Refluxkrankheit (GERD) spricht man erst, wenn der Rückfluss echte Beschwerden oder Folgen verursacht, etwa eine Entzündung der Speiseröhre, wiederholte Lungenprobleme oder eine Gedeihstörung.
Reflux im Säuglingsalter ist sehr häufig. Je nach Erhebung spucken etwa 40 bis 70 % der Säuglinge regelmäßig. In einer großen Untersuchung erfüllten rund 12 % der Säuglinge die Kriterien für relevantes Aufstoßen, und bei etwa 88 % hatte sich das bis zum ersten Geburtstag deutlich gebessert. Insgesamt verschwindet der Reflux bei etwa 95 % der Kinder von selbst, meist bis zum Alter von 12 bis 15 Monaten, wenn das Kind aufrechter sitzt, feste Nahrung bekommt und der Muskelring reift.
Eine echte, behandlungsbedürftige Refluxkrankheit ist dagegen selten. Sie betrifft vor allem Kinder mit besonderen Vorerkrankungen, etwa mit neurologischen Beeinträchtigungen, nach Operationen an der Speiseröhre, mit Zwerchfellbruch oder chronischer Lungenerkrankung.
Typische Zeichen bei Säuglingen sind häufiges Spucken oder Erbrechen, Unruhe und Weinen rund um die Mahlzeiten, Aufstoßen mit Überstrecken des Rückens sowie schlechtes Trinken. Bei älteren Kindern kann sich Reflux wie bei Erwachsenen mit Sodbrennen, saurem Aufstoßen und Schmerzen hinter dem Brustbein zeigen. Auch immer wiederkehrender Husten, Heiserkeit oder wiederholte Atemwegsinfekte können auf Reflux hinweisen.
Wichtig zu wissen: Spucken und Weinen sind für sich genommen noch kein Beweis für eine Refluxkrankheit. Sehr oft treten beide zufällig gleichzeitig auf, ohne dass das eine das andere verursacht. Deshalb sind Säureblocker bei bloßem Spucken meist nicht sinnvoll.
Bitte melden Sie sich zeitnah, wenn Ihr Kind Gewicht verliert oder nicht zunimmt, wenn es grünes (galliges) oder blutiges Erbrochenes gibt, wenn Erbrechen schwallartig und heftig wird, wenn Ihr Kind Nahrung dauerhaft verweigert, Schluckbeschwerden hat oder wenn es rund um die Mahlzeiten zu Atemaussetzern oder Blaufärbung kommt. Diese Zeichen gehören immer ärztlich abgeklärt.
Wir gehen immer in ruhigen, aufeinander aufbauenden Schritten vor und beginnen mit den schonendsten Maßnahmen.
Zuerst kommen einfache Anpassungen: kleinere, häufigere Mahlzeiten, das Kind nach dem Trinken aufrecht halten und sorgfältiges Aufstoßenlassen. Bei Flaschenkindern kann eine angedickte Nahrung helfen, bei Verdacht auf eine Kuhmilcheiweißunverträglichkeit ein zeitlich begrenzter Verzicht auf Kuhmilcheiweiß. Diese Maßnahmen reichen bei den meisten Kindern aus.
Reichen sie nicht, und liegen echte Zeichen einer Refluxkrankheit vor, kann eine zeitlich begrenzte medikamentöse Behandlung mit einem Säureblocker (Protonenpumpenhemmer) sinnvoll sein. Solche Medikamente gehören zu einer klaren Indikation, etwa einer nachgewiesenen Speiseröhrenentzündung oder einem in der Messung bestätigten sauren Reflux, und werden nicht unbegrenzt gegeben, weil eine Dauergabe eigene Nebenwirkungen hat.
Vor einer Operation steht immer eine gründliche Abklärung. Dazu können eine Magenspiegelung, eine pH-Impedanz-Messung (Messung des Rückflusses über 24 Stunden) und je nach Fragestellung weitere Untersuchungen gehören. So stellen wir sicher, dass wir nur dann operieren, wenn es wirklich nötig ist und Aussicht auf Erfolg besteht.
Eine Operation kommt nur für die wenigen Kinder infrage, bei denen die Refluxkrankheit trotz optimaler medikamentöser Behandlung schwer bleibt, immer wiederkehrt oder gefährliche Folgen hat, etwa wiederholte Lungenentzündungen durch Verschlucken, eine anhaltende Gedeihstörung oder eine fortschreitende Schädigung der Speiseröhre. Ziel der Operation ist es, den Rückfluss dauerhaft zu verhindern und die Speiseröhre zu schützen.
Der etablierte Eingriff gegen schweren Reflux ist die Fundoplicatio. Dabei wird der obere Teil des Magens wie eine weiche Manschette um das untere Ende der Speiseröhre gelegt. Diese Manschette verstärkt das körpereigene Ventil und hält den Mageninhalt unten.

Wir führen diesen Eingriff minimalinvasiv (laparoskopisch) durch, also über wenige kleine Zugänge statt über einen großen Bauchschnitt. Das bedeutet für Ihr Kind kleinere Narben, weniger Schmerzen und eine raschere Erholung.
Bei geeigneten Fällen operieren wir zusätzlich robotisch-assistiert an der Universitätsklinik für Kinderchirurgie am AKH Wien. Dabei steuert der Operateur feine Instrumente über eine Konsole, mit einer stabilen 3D-Sicht und Instrumenten, die genauer und ruhiger arbeiten als die menschliche Hand allein. Gerade beim Nähen der Manschette in einem engen Raum kann das von Vorteil sein. Wir arbeiten mit zwei modernen Systemen, dem daVinci-System und dem Versius-Robotersystem. Beide sind in Studien als sicher und durchführbar beschrieben. Wichtig zur Einordnung: Die robotische Technik erreicht in Vergleichsstudien bei Erwachsenen ähnlich gute Ergebnisse wie die klassische Bauchspiegelung. Der Nutzen liegt vor allem in Präzision und Sicht bei anspruchsvollen Nähten, nicht in einem grundsätzlich besseren Endergebnis. Welche Technik für Ihr Kind am besten passt, besprechen wir individuell.
Manche Kinder brauchen über längere Zeit eine Ernährung direkt in den Magen, zum Beispiel bei schweren Schluckstörungen oder ausgeprägter Gedeihstörung. Dafür wird eine Gastrostomie angelegt, also ein kleiner, gut verschließbarer Zugang durch die Bauchdecke in den Magen.
Wir legen diesen Zugang nicht als klassische PEG-Sonde an, sondern von Anfang an als laparoskopisch-assistierten Button. Über eine kleine Kamera am Bauchnabel sehen wir den Magen direkt und fixieren ihn mit Haltenähten sicher an der Bauchdecke. Erst dann wird der Magen unter Sicht punktiert. So können wir sicherstellen, dass keine andere Struktur, etwa der Dickdarm, verletzt wird. Genau diese versehentliche Darmverletzung ist eine der gefürchteten, wenn auch seltenen Komplikationen der herkömmlichen, rein endoskopisch gelegten PEG.
Der große Vorteil für Ihr Kind: Es bekommt sofort einen flachen, unauffälligen Button statt einer langen Sonde. Bei der klassischen PEG muss die zuerst gelegte Sonde später in einem zweiten Eingriff gegen einen Button getauscht werden, was bei Kindern eine zweite Narkose bedeutet. Diese zweite Narkose ersparen wir Ihrem Kind. Die Datenlage stützt dieses Vorgehen: In einer Auswertung von über 11.000 kindlichen Eingriffen und in weiteren Untersuchungen traten bei laparoskopisch-assistierten Verfahren schwere Komplikationen wie Darmverletzungen, frühes Herausrutschen der Sonde und erneute Eingriffe in Narkose seltener auf als bei der reinen PEG. Ein weiterer Vorteil: Der Zugang lässt sich so platzieren, dass eine spätere Fundoplicatio, falls sie nötig wird, ohne Umsetzen der Sonde möglich bleibt.

Eingriffe an Speiseröhre und Magen führen wir in einer Vollnarkose durch, die von auf Kinder spezialisierten Narkoseärztinnen und Narkoseärzten betreut wird. Sie begleiten Ihr Kind, bis es eingeschlafen ist, und sind nach dem Aufwachen wieder bei ihm. Das gesamte Team ist durchgehend auf Kinder eingestellt.
Beratung, Abklärung und Nachsorge übernehmen wir in unserer Ordination, die eigentliche Operation erfolgt an der Universitätsklinik mit ihrem erfahrenen Kinderteam und der Möglichkeit zur robotisch-assistierten Chirurgie. So haben Sie von der ersten Beratung bis zur Abschlusskontrolle durchgehend feste Ansprechpartner.
Wir sorgen für eine gute Schmerztherapie mit Mitteln zum Schlucken nach klarem Schema. Der Nahrungsaufbau erfolgt schrittweise und rasch. Wir verwenden selbstauflösende Nähte, sodass keine Fäden gezogen werden müssen. Wann Ihr Kind wieder essen, sich bewegen und in Betreuung oder Schule darf, besprechen wir individuell und halten Einschränkungen so gering wie möglich. Zur Wundkontrolle sehen wir Ihr Kind wenige Tage nach dem Eingriff wieder.
Wir nehmen die Sorgen von Eltern ernst und behandeln nur so viel wie nötig. Harmloser Reflux braucht Geduld, keine Medikamente. Wenn eine Operation wirklich sinnvoll ist, bieten wir moderne, minimalinvasive und robotisch-assistierte Verfahren auf universitärem Niveau, mit einem Team, das ausschließlich Kinder behandelt. Vereinbaren Sie ein Erstgespräch, in dem wir in Ruhe klären, was Ihr Kind wirklich braucht.
Meist nicht. Etwa 40 bis 70 % der Säuglinge spucken regelmäßig, und bei rund 95 % verschwindet das bis zum Alter von 12 bis 15 Monaten von selbst. Solange Ihr Kind gut gedeiht und zufrieden ist, ist Spucken in der Regel harmlos. Wir nennen diese Kinder auch „Happy Spitter“ :).
Von einer Refluxkrankheit spricht man erst, wenn der Rückfluss echte Beschwerden oder Folgen verursacht, etwa eine Speiseröhrenentzündung, wiederholte Lungenprobleme oder eine Gedeihstörung. Bloßes Spucken ohne solche Zeichen ist keine Krankheit.
Nur bei einer klaren Indikation, zum Beispiel einer nachgewiesenen Speiseröhrenentzündung oder einem in der Messung bestätigten sauren Reflux. Bei bloßem Spucken oder Unruhe bringen Säureblocker meist nichts und haben bei Dauergabe eigene Nebenwirkungen.
Vor einer Operation klären wir gründlich ab, meist mit Magenspiegelung und einer pH-Impedanz-Messung über 24 Stunden, je nach Fragestellung ergänzt durch weitere Untersuchungen. So operieren wir nur, wenn es wirklich nötig ist.
Bei der Fundoplicatio wird der obere Teil des Magens wie eine weiche Manschette um das untere Ende der Speiseröhre gelegt. Diese Manschette verstärkt das körpereigene Ventil und verhindert den Rückfluss dauerhaft.
Der Operateur steuert feine Instrumente über eine Konsole, mit stabiler 3D-Sicht und sehr präzisen Bewegungen. Wir nutzen das daVinci- und das Versius-System an der Universitätsklinik am AKH Wien. In Studien ist die Robotertechnik sicher und durchführbar und erzielt ähnlich gute Ergebnisse wie die klassische Bauchspiegelung. Der Vorteil liegt vor allem in Präzision und deutlich besseren Sicht sowie der besseren Beweglichkeit der Instrumente.
Bei der klassischen PEG wird zunächst eine lange Sonde rein endoskopisch gelegt, die später in einem zweiten Eingriff, also einer zweiten Narkose, gegen einen Button getauscht wird. Wir legen von Anfang an einen flachen Button, minimalinvasiv über eine Kamera am Bauchnabel und mit Haltenähten, die den Magen an der Bauchdecke fixieren. Die Punktion erfolgt unter Sicht.
Weil wir den Magen unter Sicht punktieren, lässt sich eine versehentliche Verletzung des Dickdarms vermeiden, die bei der reinen PEG selten, aber gefürchtet ist. In großen Auswertungen traten bei laparoskopisch-assistierten Verfahren schwere Komplikationen und erneute Eingriffe in Narkose seltener auf als bei der reinen PEG.
Bei den allermeisten Kindern wächst er sich aus. Eine dauerhafte, schwere Refluxkrankheit betrifft vor allem Kinder mit besonderen Vorerkrankungen, etwa mit neurologischen Beeinträchtigungen oder nach Operationen an der Speiseröhre.
Bei Gewichtsverlust oder fehlender Gewichtszunahme, bei grünem oder blutigem Erbrochenem, bei heftigem schwallartigem Erbrechen, bei dauerhafter Nahrungsverweigerung oder Schluckbeschwerden und bei Atemaussetzern oder Blaufärbung rund um die Mahlzeiten. Diese Zeichen gehören immer rasch abgeklärt.
Erstellt und medizinisch geprüft von Priv.-Doz. DDr. Wilfried Krois, Facharzt für Kinder- und Jugendchirurgie. Letzte Aktualisierung: 14. Juli 2026.

"Die Kinderchirurgen" betreiben ehrenamtlich den Verein "Helping Hands for Anorectal Malformations International" um mit Hilfe von Spendengeldern die Korrektur von seltenen Fehlbildungen des Anus weltweit zu unterstützen.